Ohne Word geht gar nichts …

„Wer kann gut mit Word umgehen?“ – so lautet meine Frage, die ich stets in der zweisemestrigen Ausbildung für Lektorinnen und Lektoren stelle. Regelmäßig zeigt der Großteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf. Selbstbewusst und überzeugt.

Auf die Frage „Welche drei wichtigen Häkchen müssen gesetzt sein, damit ein Manuskript im Layout-Programm rasch zum Buch umgewandelt werden kann?“ schwinden die Antworten. Und wenn ich schließlich frage „Was macht denn den Unterschied, ob ein Setzer eine Stunde oder sieben Stunden in der Druckvorstufe braucht?“, herrscht oft Schweigen.

Es gibt hervorragende Lektorinnen und Lektoren, Korrektorinnen und Korrektoren, denen ein paar einfache Tricks und Kniffe enorm weiterhelfen können, um strukturierter, schneller und mit einem klaren Mehrwert für den Verlag zu arbeiten.

Nach zwanzig Jahren Erfahrung im Lektorat – und zehn als Verlagsleiterin im eigenen Verlag – weiß ich, wie viel es bringt, ein Manuskript „sauber“ für den Satz vorzubereiten. Das hat einige Vorteile: Einerseits ermöglicht es mir selbst, als Lektorin, den Text rasch zu strukturieren und mich schnell zu orientieren. Gerade bei Sachbüchern ist das unverzichtbar. Viele Autorinnen und Autoren arbeiten nicht mit zugewiesenen Formaten, die Praxis zeigt sogar, dass die wenigsten auch nur mit automatischen Überschriften arbeiten. Das macht nichts. Ein Autor bringt die Story, das Fachwissen, den Input – die Lektorin oder der Lektor steuert sein Know-how in der technischen Bearbeitung sowie inhaltliche Optimierungsvorschläge bei.

Aber wie schafft eine Lektorin sich rasch einen Überblick, wenn das Manuskript völlig unstrukturiert ist? Wenn der Autor mittels „copy & paste“ hunderte Formate im Word angelegt hat und gar nichts davon weiß? Was, wenn ein Autor oder eine Autorin zwar mit einer Formatvorlage gearbeitet hat, aber trotzdem – höchst kreativ, aber unbewusst – alle möglichen Zusatzformate geschaffen hat? Wenn ein Lektor oder eine Lektorin nicht weiß, was Absatz- und Zeichenformate anrichten können, was im Hintergrund mit einem Text passiert, geschieht es schnell, dass ein Setzer oder eine Grafikerin ratlos vor einem zum Druck übersandten Manuskript sitzt. Mir passiert es häufig, dass ein Manuskript im Verlag strukturell nochmals mühsam überarbeitet werden muss, damit die Formate für den Satz passen. Klarer Fall: Bei mir punkten jene externen Auftragnehmerinnen und Auftragnehmer, die ein Manuskript so vorbearbeiten, dass wir im Verlag vor dem Satz keine oder kaum Arbeit mehr damit haben. Denn auch wenn automatische Skripts vor dem Satz über das Manuskript laufen, lässt sich nicht alles automatisch ausbügeln. Selbstständigen Lektorinnen und Lektoren, die mit Selfpublishern zusammenarbeiten, profitieren ebenfalls, wenn sie ein Word für eine Druckerei oder einen BoD-Verlag so optimieren, dass das Druck-PDF Druckqualität hat.

  • Eine der wichtigsten Regeln im Lektorat lautet: Struktur. Erst wenn im Manuskript „klar Schiff“ gemacht wurde, kann ein Lektor sich sinnvollerweise dem Inhalt widmen. Dazu zählt der sichere Umgang mit der „Suchen und Ersetzen“-Funktion, viele dieser zeitsparenden Tricks sind nur wenigen bekannt, ebenso wie das Wissen darüber, wo sich Fallstricke im Manuskript verbergen können, die während der Arbeit plötzlich strukturelle Fragen aufwerfen.

Neben dem Text kann mit der erweiterten „Suchen und Ersetzen“-Funktion in Word auch nach Formaten gesucht werden um Formatfehler zu identifizieren. Die Suche nach Formaten ist im Lektorat wichtig für:

  • Kursiv- und Fett-Auszeichnungen
  • Zuweisungen von Überschriften
  • Falsche Sprache (Silbentrennung)

Die zweite wichtige Regel lautet: Nur ein „sauberes“ Manuskript kann vom Satz rasch in das „Fahnenstadium“ umgewandelt werden. Alle Fragen, die den Inhalt betreffen, den Aufbau, das Konzept, die Zuweisung einzelner Headlines, dürfen nicht dem Satz überlassen werden. Das ist Aufgabe des Lektorats. Jede einzelne Zeile benötigt eine bestimmte Zuweisung. Das wird oft übersehen und so steht eine fett formatierte Zeile mitten im Text. Ist das nun eine Überschrift? Oder einfach nur eine hervorgehobene Zeile? Der Lektor, die Lektorin ist gefragt, dies vorab zu entscheiden und auch diskussionslos zuzuweisen.

Tipps für die Manuskriptbearbeitung
Verwenden Sie den Formatinspektor, um unnötigen Formatierungen auf die Spur zu kommen!

 

Text & Foto von Verena Minoggio-Weixlbaumer

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