“Das Schema F reicht nicht mehr”

Günther Wildner - Copyright: Teresa MossbauerDie Arbeit mit AutorInnen, KünstlerInnen, Medien und Verlagen ist sein tägliches Brot: Günther Wildner ist einer der wenigen Literaturagenten Österreichs, der AutorInnen und ihre Bücher erfolgreich an Verlage vermittelt. Außerdem betreut er seine AutorInnen mit PR-Arbeit und Lesungsbooking. Oft ist es so, dass er ganze Karrieren gestaltet. Uns erzählt er von den Herausforderungen seines Berufsalltags und seinem Werdegang.

In die Arbeit als Literaturagent ist Günther Wildner „so hineingerutscht“. Ursprünglich kommt er aus dem Musikbereich, in dem er mit Management und PR-Arbeit begann und sein Betätigungsfeld nach und nach ausbaute. Eines Tages schrieb sein Schwager, Thomas Raab, ein Buch und gemeinsam begannen sie einen Verlag dafür zu suchen, den sie nach hartnäckiger Suche auch gefunden haben, nämlich den Leykam Verlag aus Graz. „Ich habe dann mit Medienarbeit und Booking sehr lange seine Karriere begleitet. Er hat sehr schnell Fans und LeserInnen gefunden und es ist eine wirklich schöne Karriere geworden.“ So hat Wildner gelernt: Direkt aus der Praxis, von der Pieke auf.

Das Geschäftsmodell seiner Agentur ist mittlerweile klar auf AutorInnen ausgelegt und bietet „drei wichtige Dinge, die für den Autor karrierebildend sein können.“ Dazu gehören neben der Vermittlung von Manuskripten auch die Medienarbeit und das Lesungsbooking. „Lesungen sind einfach wichtig für die Entwicklung von Autoren, für die Publikumsbindung und die Popularität.“ Er vertritt Autoren wie Michael Behrendt und Johann Allacher und hat pressemäßig für Bernhard Aichner, Thomas Raab, Judith Taschler, Marc Elsberg, Andreas Gruber, Peter Keglevic u.a. gearbeitet. Dabei zählen zu seinen Kunden meist große deutsche Verlage, für die er bei einzelnen Büchern die Medienarbeit in Österreich übernimmt.

Wenn man mit Günther Wildner über seinen Beruf plaudert, wird einem schnell klar, dass dieser genau das tut, was ihm Spaß macht. Er wirkt energetisch, engagiert und innovativ und weiß viele Anekdoten zu erzählen. Er hat offensichtlich einfach Freude an der Bucharbeit. Auf die Frage hin, was das Schönste an seinem Job sei, antwortet er: „Wenn jetzt ein Autor kommt, der noch nicht publiziert ist, dann bin ich der erste „Übersetzer“ in den Markt.“ Seine Arbeit bestehe dann darin zu überlegen, wie er den Autor herausheben kann, wie das Werk in den Buchmarkt passt und in ihm bestehen könne. „Das macht einfach Spaß, diese gestalterische Tätigkeit. Wie bekomme ich Neues mit Ecken und Kanten trotzdem so buchmarktkonform hin, dass es jemand in sein Programm aufnehmen will?“

Wildner erzählt, dass es einfach immer schwieriger werde, Bücher zu platzieren, denn die Verlage hätten nur wenige Programmplätze für Debüts. Wildner mag deswegen Autoren, die „multiple Alleskönner“ sind – also jene, die nicht nur eigenständige Bücher schreiben, sondern darüber hinaus noch weitere Talente mitbringen. „Zum Beispiel Johann Allacher, ein Krimiautor von mir, der bei emons publiziert. Er liest, macht Musik dazu, ist geradezu Kabarettist und schreibt irrsinnig lustige, selbstgereimte, Wienerische Geschichten. Die Leute liegen da bei den Lesungen unterm Tisch. Da ist natürlich das Buch der Aufhänger, aber was er macht, ist viel mehr.“ Gemeinsam mit dem Autor erarbeitet Wildner in der Pressearbeit eine Geschichte und ein Drumherum, denn: „Ich verkauf den Medien ja keine Bücher, sondern Geschichten.“ So hat zum Beispiel der oben erwähnte Autor, Johann Allacher, für sein Buch Der Watschenmann selbst einen Watschenmann gebaut, der dann einfach zu allen Presse- und Leseterminen mitkam. Das Buch wurde ein großer Erfolg.

Wildners Arbeitsalltag ist stark von der Medienarbeit geprägt, das heißt: Presseanfragen bearbeiten, bei Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen anrufen und so zu versuchen, ein Buch und seine/n AutorIn durch Interviews und Rezensionen zu größerer Popularität zu verhelfen. Das beginne meist schon drei Monate vor Veröffentlichung. Daneben bietet er Verlagen laufend Bücher an – normalerweise per E- Mail – spricht mit LektorInnen, einigt sich auf vertragliche Details. Im Booking bietet der Veranstaltern Lesungen an, schickt Rechnungen, und zahlt die AutorInnen aus. Seine Aufgabenliste umfasst also wirklich ein breites Spektrum. Wildner: „Also fad wird mir nie.“

Tipps für junge Menschen, die in den Buchmarkt möchten, hat er auch parat: „Man muss vor allem Lust auf Texte, Lust auf Bücher haben, aber auch in dem Sinne, in der Branche etwas gestalten zu wollen. Also wirklich im innovativen Sinn, weil alle merken: Das Schema F reicht nicht mehr. Wenn jemand Lust auf das hat, dann kann ich nur raten: Ganz nah rangehen. Sofort nach Frankfurt und Leipzig fahren, auf alle Branchentreffen gehen, mit Leuten vernetzen, Fachliteratur lesen, Weiterbildungen machen, beginnen, genau jetzt.“

 

Text, Foto & Gespräch: Teresa Mossbauer

 

 

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