“Es riecht nach Bücherstaub”

Nachlese: Exkursion zur Mohr Morawa Buchvertrieb GmbH


Im Rahmen der beiden Zertifikatslehrgänge Lektorat & Buchverlag machte sich die Goldegg Medienakademie und eine Gruppe von LehrgangsteilnehmerInnen zu einer Exkursion in das Unternehmen Mohr Morawa Buchvertrieb auf. Mohr und Morawa ist eine der größten Verlagsauslieferungen in Österreich und daher ein wichtiger Teil des stationären Buchhandels Österreichs.

Peter Kargl, Vertriebsleiter bei Mohr Morawa führt durchs Haus und somit auch durch die recht unbekannte Welt des Zwischenbuchhandels – nur die wenigsten LeserInnen wissen, welchen Weg ihr Buch hinter sich hat, bevor sie es in der Buchhandlung kaufen. „Wir fungieren als Schnittstelle zwischen Vertretern, Buchhandelskunden und Verlagen“, meint Kargl und betont die Serviceorientierung in Richtung Verlage. „Die Verlage liefern uns ihre Bücher. Um den Rest kümmern wir uns.“ Extrem wichtig sei heutzutage eine effiziente und vor allem schnelle Auslieferung – am besten innerhalb von 24 Stunden. Denn: durch Amazon ist eine schnelle Lieferung heute Standard und die KundInnen erwarten das. Was Mohr Morawa auch bieten kann: „Buchhandlungen in Wien können bis 17:00 bestellen, um die Titel am nächsten Tag um 10:00 zu erhalten. In den Bundesländern geht es zwar auch innerhalb von 24 Stunden, aber nur wenn bis 11:30 bestellt wird.“ Österreichs Buchhandlungen sind in dieser Hinsicht also durchaus eine Alternative zu Amazon.

Beim Betreten des Lagers schnuppert Kargl kurz und fragt: „Riecht ihr das? Es riecht nach Bücherstaub.“ Und in der Tat: es riecht nach Büchern, was bei der beachtlichen Zahl der gelagerten Bücher auch kein Wunder ist. In den Regalen des Lagers von Mohr Morawa warten circa 7,5 Millionen Bücher von rund 650 Verlagen auf ihre Auslieferung. Das Lager ist in Sektoren gegliedert und jeder Verlag hat seinen Stammplatz in einem Sektor. Wir besichtigten beispielsweise Sektor 6, Zuhause von Büchern aus dem Hause Suhrkamp oder Kinderbüchern des Loewe-Verlags. Kargl erklärt, dass alle Regalbretter aneinandergelegt eine Strecke von über 50 Kilometern ergäben. Das Lager ist ein eindrucksvoller Ort. Laut, geschäftig, ein bisschen chaotisch und voller Bücher. Für Bücherliebhaber ist es ein interessanter Ort, an dem man gerne etwas Zeit zum Verweilen und Schmökern hätte. Doch dafür ist hier keine Zeit, denn bei Mohr Morawa sind Bücher vorwiegend Nummern und Verkaufszahlen.

Die Verlage liefern die Bücher an und diese werden an ihren Lagerplatz gebracht. Im ganzen Lager fahren auf insgesamt 1,5 Kilometern Förderband rote Plastikwannen, so genannte Kommisionierwannen.  In diese Wannen kommen die bestellten Bücher – vor dem Versand werden alle Wannen kontrolliert und manchmal auch bereits regalfertig beklebt: „Für große Buchhandlungen, wie beispielsweise Thalia, liefern wir die Bücher regalfertig, das heißt mit aufgeklebten Preisetiketten.“, erzählt Kargl. Nach der Kontrolle kommen die Bücher ins Expedit, wo sie verpackt werden. Dann sind sie auch schon versandbereit und warten auf die Spedition, die sie in die Buchhandlungen bringt. Für Novitäten gibt es ein Sonderlager, denn diese müssen besonders schnell verarbeitet werden.

Zum Schluss besuchen wir noch die etwas triste Remmisionsabteilung. Dort werden Bücher, die nicht verkauft wurden, oder auch beschädigt sind, zurückgeschickt. Manchmal werden die Titel weiterverkauft, oft aber auch zu Altpapier verarbeitet. Uns blutet da das Herz. Kargl bleibt dennoch ganz unsentimental und meint: „Wer viel ausliefert, kriegt auch viel zurück.“ Tendenz ist also: Remissionen steigen. Buchhändler würde generell mehr Titel bestellen, oft aber auch nur, weil der Vertreter Rückgaberecht verspreche.

Die Marktmechanismen ändern sich ständig. Mohr Morawa scheint aber gut gerüstet, denn das Lager wird erweitert, um Bücher neuer Verlage unterbringen zu können: „Mehr Bücher bedeuten einen höheren Umsatz für uns – absolut notwendig in dieser Zeit.“ Ob das Buch als Kulturgut für viele Menschen in der Zukunft noch bestehen wird, zweifelt auch Kargl an: „Für eine Minderheit, ja. Aber der Großteil wird keine Bücher mehr lesen.“ Er begrüße aber auf jeden Fall jede Initiative zur Leseförderung und fordert die großen Institutionen am Buchmarkt auf, in diesem Bereich aktiv zu werden.

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Text: Teresa Mossbauer

Bildnachweis: (c) Teresa Mossbauer 

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